Frage des Tages:“Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele?“
Manchmal macht man Sachen, obwohl man weiß, dass sie jemand anderen weh tun werden. Denn neben all dem „könnte-wollte-sollte“ ist da noch mein rießen Ego, meine dunkle Seite. Ich bin bei weitem nicht so sattelfest wie ich immer rüber komme. Erst vor kurzem hat mir eine Freundin gesagt, wie sehr sie meine Stärke bewundere. Doch in Wirklichkeit habe auch ich Angst, Angst vor so vielen Dingen, habe meine Mauer hochgezogen und verstecke mich dahinter. Manchmal denke ich mir sie ist weg, doch sie ist einfach nur aus Glas, das tückische daran, man rennt so leicht dagegen.
Ich hatte vor einem knappen Jahr meinen Optimismus über Bord geworfen, weil mich das Leben so sehr enttäuscht hat fing ich an es zu hassen, es war so leicht. Das Leben zu lieben war viel schwerer. Doch selbst der Tod meiner Liebsten ist keine Entschuldigung dafür. Ich habe es mir immer so leicht gemacht, zu denken ich könnte nun berechtigt auf das Leben pfeifen, weil sie nicht mehr da ist. Es gab sogar Momente, da hasste ich sie, weil sie mich allein gelassen hat. Als hätte sie es sich aussuchen können. Als hätte sie eine Wahl gehabt…
Und in Wahrheit habe ich die Wahl. Jeden Tag. Die Wahl etwas mutiger zu sein, weiter zu gehen, hier und jetzt zu leben. Die Wahl alle Masken fallen zu lassen und einfach nur zu sein ohne zu vergehn.

Ich denke, das Leben zu hassen ist eine Phase. Eine Phase, die nicht schön ist, aber die jeder (wahrscheinlich nicht nur einmal) durchlaufen wird. Doch weist du was das schöne daran ist. Du glaubst, das Leben zu hassen ist soviel schöner als es zu lieben. Das glaube ich nicht.
Ich denke, in einer Phase zu sein, die voller Hass auf das Leben steckt, machst du dir viele Dinge schwieriger als sie sind, dir fehlt die Gelassenheit. Alles scheint sinnlos und so werden die Dinge als gegeben hingenommen, aber innerlich frustriert es einen doch.
Das Leben zu lieben ist garnicht so schwierig, wenn du dich einmal in der anderen Phase befindest. Du brauchst dazu nicht das Leben lieben zu wollen, denn du liebst es von ganz alleine. Du genießt die Kleinigkeiten, die großen Sachen und du kannst über so viele Sachen lächeln. Diese Phase sind manchmal ganz sicher nur kurze Momenten. Momente, die viel zu kurz sind. Aber ich denke, sie werden auch dir wieder begegnen.
Jeder Mensch braucht Zeit um seine Trauer zu verarbeiten. Ohne mit meinen jungen Jahren aus Erfahrung sprechen zu können, denke ich, auch Selbstmitleid gehört dazu. Und eine schwierige Zeit, in der man das Leben tatsächlich hasst. Aber auch diese Phase geht vorbei, ganz sicher.
Liebe(r) Indescribablex
Zuerst einmal danke für deinen Kommentar, es freut mich immer sehr wenn jemand schreibt, ganz besonders freue ich mich über neue Besucher.
Doch vermute ich, du hast mich etwas falsch verstanden, was bei meinen Einträgen und wenn man die Art meiner Einträge noch nicht kennt, auch leicht passieren kann. Ich gestehe
Ich sprach nicht davon das Leben zu hassen wäre schöner als es zu lieben. Ich sprach davon, dass ich damals das Leben hasste, weil es zu lieben wäre viel schwieriger gewesen. Doch es zu hassen war sehr leicht.
Du hast völlig Recht, dass in solchen Phasen viele Dinge sehr schwierig erscheinen. Und das war es auch alles: schwer, trostlos, grau.
Dieser Blogeintrag spricht eigentlich von den „Nachbeben“ die immer noch Wellen weise auftreten, aber es ist ok, normal, gewollt. Um nicht zu Verdrängen, sondern mir auch neben den starken Seiten mir meine Schwächen vor Augen zu führen. Um zu erkennen und dann den nächsten Schritt zu machen.
Danke für deinen Kommentar es steckt sehr viel wahres darin. Vor allem das mit der Gelassenheit. Das Loslassen, das Zulassen. Das ist bei mir gerade in Arbeit
Alles Liebe und ich hoffe du schaust wieder mal vorbei.
Als erfahrener Leser Deines Blogs
und als Mann mit mehr Lebenserfahrung als unbedingt nötig, gratuliere ich Dir zu Deiner Erkenntnis: Du hast die Wahl!
Doch zu „sein, ohne zu vergehn?“ Diese Wahl hat … niemand. Denn alles ist vergänglich; zum Glück.
Glück kann nur deshalb empfunden werden, weil es vergänglich ist. Wäre frau immer glücklich, würde sie es gar nicht mehr bemerken. Wäre Leben unvergänglich, würde Mann es nicht zu schätzen wissen.
Den Optimismus kann frau schon mal über die Reling schmeißen – der Rettungsring heißt Zeit. Denn wer das Leben liebt wird erkennen, der Optimismus ist ein Bumerang. Du kannst ihn immer wieder wegwerfen – doch Dein Leben nur einmal!
Lieben Gruß vom ollen Geheimrat
Ach lieber Herr Geheimrat
„Der Optimismus ist ein Bumerang“, was für ein Gedanke! Find ich gut und würde so einiges erklären.
…und mit dem vergänglichen Glück hast du auch sowas von Recht. Ich sagte ja schon einmal: Weise wie….
Ich frage mich nur gerade warum ich vor knappen 2 Jahren schon mal weiser war als heute. Hab mir vor kurzem mal meinen alten Blog angesehen und da wäre die Antwort gewesen:
„Manchmal, manchmal möchte man die Welt anhalten, um auszusteigen. Doch es würde sich nicht lohnen, weil die Reise allein schon das Ziel ist und so gibt man sich Mühe, blinzelt der Sonne entgegen und weiß, dass das Leben eben manchmal so ist…
… damit es nicht aufhört immer wieder von neuem wunderschön zu sein.“
…aber ev. erklärt das auch der Bumerang. Hoffe ich jedenfalls
Und den ollen Geheimrat find ich ganz ganz großartig! Hab ich das schon mal gesagt? Na wenn nicht, dann aber jetzt und zwar laut und deutlich!
es ist gut dass du das erkennst. auch wenn jemand geht, für die, die bleiben, muss das leben weitergehen. man darf die schotten nicht dicht machen und sagen ‘aber er/sie ist nicht mehr da’, denn wir müssen das beste daraus machen. wie du sagst. jeden tag.
Entschuldige, ich habe mich falsch ausgedrückt. Ich habe verstanden, was du sagen wolltest
Und ich habe keinerlei Zweifel daran. Etwas zu hassen geht doch viel schneller (und leichter), als es schätzen und lieben zu lernen.
Im Übrigen war das nicht mein 1. Besuch und der jetzige wird auch sicher nicht mein letzter bleiben
Ich mag es hier!
@ Geheimrat
„Optimismus ist ein Bumerang“?! Ich versuche deine Behauptung zu verstehen, nachvollziehen zu können. Aber im Moment gelingt es mir nicht. Oder beziehst du in den Optimismus die Erwartung mit ein? Ich finde, zu hohe Erwartungen (oder Erwartungen überhaupt) können unglücklich machen und durchaus „wieder zurückkommen“, einem vor die Füße fallen. Aber an einer optimistischen Einstellung kann ich absolut nichts negatives finden. Vielleicht haben wir auch eine falsche Vorstellung von Optimismus. Für mich bedeutet eine optimistische Lebenseinstellung, niemals aufzugeben und immer die positiven Seiten zu sehen. Jede Seite hat eine gute Seite, mann muss sie nur entdecken. Zu optimistisch zu sein, d. h. zu hohe Anforderungen zu haben, viel zu erwarten, ist natürlich nicht sehr gesund und kann womöglich alles andere als positiv sein. Ansonsten bin ich ein absolut Anhänger des Optimismus. Er macht froh und auf eine gewisse Weise zufrieden (und nun könnte man sagen, der Mensch sollte nicht zufrieden sein – wie wahr – aber mein Antrieb ist mir trotz Optimismus noch nicht verloren gegangen)
Liebste Grüße
Die Optimistin (indescribablex – aber der Name musste schnell weg)
@FrauohneSchuheinderHauptstadtdesgleichnamigenBundeslandes
Du machst mich ja ganz verlegen … weiß gar nicht, wo ich mich derzeit hingelegen soll
Und Du hast natürlich die Antwort in Deinem „alten“ Blog wirklich schon gefunden – und sie sehr schön beschrieben! Vertrau Dir also einfach selbst
@Optimistin: „Behauptung“ hat einen negativen Hauch, den ich in diesem Zusammenhang nicht nachvollziehen kann … Ich nenne es (m)eine Überzeugung
Erwartungen – auch eine optimistische Einstellung beinhaltet eine Erwartung.
Und zu hohe Erwartungen haben mit einem Bumerang nichts zu tun. Sie werden nur in eine Richtung formuliert …
Ich halte den Optimismus für einen Bumerang, weil er mich schon mal kurz verlässt, aber mit der Zeit immer wieder zu mir zurück findet. Doch da ich ihn selten (über die Reling) werfe, halte ich ihn die meiste Zeit fest in der Hand …
Das Leben ist schön und einzigartig und der Kampf gehört immer dazu. Es kann nicht immer nur heiter Sonnenschein sein, das weißt du ja, aber dann gibt es wieder atemberaubend Momente, die einem das Herz wieder erwärmen und auftauen.
Ich bin ja ein großer Coelho-Fan, deswegen möchte ich dir ein paar Zeilen mitgeben…zwar nicht die Besten, aber sie passen gerade irgendwie:
„Nie verliert ein Krieger des Lichts seinen leuchtenden Blick…und tritt seine Reise ohne Rucksack und Sandalen an…
Oft ist er auch feige, und nicht immer handelt er den Regeln entsprechend…Er weiß nicht immer, was er hier eigentlich tut. Liegt oftmals nächtelang wach, weil er findet, sein Leben habe keinen Sinn.
Deshalb ist er ein Krieger des Lichts. Weil er sich irrt. Weil er sich in Frage stellt. Weil er einen Sinn sucht; und er wird ihn ganz gewiss finden.“
(aus: Paulo Coelho, Handbuch des Kriegers des Lichts, S.28)
Man darf Angst haben, man darf zweifeln, aber man muss sich nicht verstecken. Du darfst hinter deiner Glaswand hervorklettern-weil es sich fast immer lohnt
Ganz liebe Grüße
@paleica: Ja genau so seh ich das auch, aber manchmal muss ich mir dafür eben noch Mühe geben, bald gehts vielleicht wieder von ganz allein
@Optimistin: Der Name gefällt mir auch besser
. Schön, freue mich wenn du wieder vorbei schaust!
@Geheimrat: Mh, eventuell auf den Bauch?
@Johanna: Jaaa der Krieger des Lichts. Danke für die Auffrischung, sollte man immer wieder mal lesen. Tolle Passage! Passt wirklich sehr gut.
Ja, weil es sich fast immer lohnt
Ich hab auch jemanden verloren und war zeitweise sehr sehr wütend darüber. Das Leben ist nicht nur schön. Aber eben auch nicht nur schlecht. Das Leben ist nur, was es ist. Und wir können nichts weiter tun, als das Beste draus zu machen.
Ich finde, manchmal darf man es sich einfach machen. Und der Weg zu den Sternen führt ja auch immer durch die Dunkelheit.
ich glaube, diese zeiten, in denen man sich mühe geben muss kommen immer. und manchmal darf man sich diesbezüglich auch gehen lassen. man darf es nur nie vergessen, wie es wirklich ist.
Auf den Bauch!!! Das war … frech!
Die meisten Menschen, die mir wichtig waren, habe ich früher oder später verloren.
Aber ich sage mir immer…alles muss einen Sinn haben. Auch wenn ich jahrelang durch Scheiße wate…ich kann nicht anders, als weitergehen…und irgendwann sieht man auch in den miesesten Ereignissen einen Sinn.
Ich bin kein Optimist…war es nie, werd es nie sein, aber ich bin ein Mensch, der nie den Glauben an das Leben verlieren will.
Und wie du so schön geschrieben hast, jede verarbeite Niederlage bringt Mut und sie bringt Kraft.
@salzwasser: Das Leben ist was es ist. Damit hast du vollkommen Recht. Und es war verdammt lange Dunkel bei mir, aber hin und wieder kann ich schon was glitzern sehen
@paleica: Ja traurig zu sein ist ganz normal, dass weiß ich mittlerweile, doch sogar das hat mich einiges gekostet.
@Geheimrat:
@Hamlet: Ja wirklich? Das tut mir leid, sehr sogar! Alles hat am Ende seinen Sinn an das glaube ich auch, doch bedanken werde ich mich dafür nie können.
„Du bist kein Optimist, aber du willst nie den Glauben an das Leben verlieren.“ Hach, schön gesagt, Rotwein eben