Und nun ist es offiziell die herbeigeredete Wirtschaftskriese und ihre aus Angst projizierten Auswirkungen lassen Geschäftsführer und Inhaber  panisch ihr Nervenkostüm verlieren.  Leider auch jene die meinen Wecker 5 Tage die Woche um sechs Uhr früh läuten lassen.

Betriebsversammlung. Die an die Leinwand geklatschten Statistiken lassen einen innerlich wütend werden.  ”Man muss damit rechnen… ” beginnt jeder flache Satz des Vortragenden. Ich starre nur auf die Statistik, sie ist nicht mal gefälscht, sie sagt nur aus: Wir müssten nicht, aber wir werden es tun. Optimierung, ganz klar.  Ich sehe mich um, aber hunderte von Personen stehen im Saal und fürchten sich, von dem was er gleich sagen wird. Dann fällt die Zahl: 10 Prozent.  Es ist still. Eingenartig still. In mir ist es laut, zu laut. Der Geschäftsführer spricht weiter, es gibt eine Gewinnausschüttung für das letzte Jahr. 30 Prozent. Der Pöbel klatscht. Alle gehen heim und fragen sich wer es sein wird.

Ich für mich brauche nicht lange herumrechnen. Jung, ledig, kinderlos, erst vor einem guten Jahr angefangen.  Durchschnittliche Arbeitsdauer liegt bei 13 Jahren. Sie werden von hinten anfangen, bei den jungen, ledigen, kinderlosen. Ein Familienbetrieb wird keine Familien kündigen. Aber es ist ok, es ist gerecht, ich bin ja wirklich nur für mich verantwortlich denn ich bin: jung, ledig und kinderlos. (Wieso zum Teufel bin ich das denn eigentlich?)

CUT: Die Weihnachtsfeier. Wieso  wurde die nicht eingespart fragen viele unter der Hand. Es fehlt nicht das Geld, sondern nur der Wille, aber wieso sollte ich ihnen die Fragen nehmen? An der Garderobe angekommen schlagen zwei Dinge gleichzeitig zu. Zum einen der Zufall, der manchmal so sarkastisch ist, dass ich erst einen Tag später darüber lachen kann und zum anderen ich selbst. Denn als ich mich aus meinem riesen Schal befreien will knallt mein Ellbogen genau in das Gesicht der neben mir stehenden Person. Ich entschuldige mich für das Geschehene und drehe mich seitlich zu ihr um. Es ist die Frau des Firmeninhabers die mich ansieht als hätte ich ihr gerade mit Absicht eine reingehaun. Mit dem Wissen dass sich mein Status von jung, ledig, kinderlos gerade in jung, ledig, kinderlos und gewalttätig gegenüber der Frau des Chefs verwandelt hat tauche ich in der Masse unter.

2 Stunden später, versuche ich mich immer noch zu verstecken.  Dieses mal vor den betrunkenen Männern die um das jung ledig kinderlos Bescheid wissen. Obwohl sie es zum Teil selbst nicht sind. Ich erteile für mich untypisch höfliche Abfuhren. Nur die Frage nach dem Traummann kam etwas unerwartet und ließ mich kurz mein Konzept verlieren.

So streckte sich der Abend durchzogen mit Sarkasmus und Ironie, untermalen mit schlechter Musik, einer vorprogrammierten Erkältung für jeden Raucher und einer Erkenntnis für mich auf die ich schon seit einigen Wochen gewartet habe.

Hin und wieder muss man etwas realistisch bleiben damit die Träume anderer weiter bestehen können. Ich habe kein Problem damit zu gehen, man bleibt in Bewegung und schließlich bin ich gut darin. Eigentlich gar kein schlechter Deal.