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Ich rief ihn an und erzählte ihm davon. –Von ihr.

Es war sein Geburtstag, ich hatte ihn vergessen, wie jedes Jahr.

Er hat meinen noch nie vergessen…

Er wollte sofort kommen, wollte wissen was er für mich tun kann. –Ich wollte nicht, war lange Zeit wie in Trance. Ein schlechter Trip. Ein scheinbar nie endender Albtraum.

Zwei Wochen ziehen vorbei. Zwei Wochen an die weiße Wand starren. Zwei Wochen alles hassen, verachten was lebt. Egal wo ich war, ob zu Hause oder am Meer. Dieser abartige Schmerz, der sich durch alles bohrt und nie zu enden schien. Im Gegensatz dazu erscheinen körperliche Schmerzen als ein Wunschtraum. Zwischendurch amten, irgendwann kommen keine Tränen mehr, dann wird einem schlecht. Doch selbst das ist egal. Alles belanglos, nichtig, grau.

Meine Schwester, wohl die größte Stütze in dieser Zeit.
Ich hör dich heute noch sagen:“ Jaja, die S. zum Feind möchte ich sie nicht haben, aber wenn sie mal jemanden mag…“ und dann hast du immer dieses Grinsen aufgesetzt und gesagt:“ …und MICH mag sie.“ Ja, meine Liebste, du hattest Recht. Dich mochte sie, sehr sogar.
Mich liebt sie über alles und für sie gibt es kein Aufgeben. Ich bewundere diese starke Frau die mir ganz klar und doch mit Tränen in den Augen zu verstehen gab: „Du musst weiterleben, für die, die dich lieben.“

Heute nun das Treffen mit ihm, weil er einer unter so wenigen ist der mich versteht, der mich nie ändern wollte. Weil es bei ihm nie den Zeitpunkt gab an dem ich dachte mich verändern zu müssen, um ihn glücklich zu machen.

Und als ich ihm Aufwiedersehen sagte, umarmte er mich lächelte mich an und sagte: “Du bist ganz bestimmt die beste Tyrannin unter allen.“ - Ja, weil er mich versteht. Weil ich ihm nicht einmal sagen muss, dass mir so vieles Leid tut. Weil er es weiß.

Und so ziehe ich los, allein, in mein neues Leben. Es fühlt sich etwas eigenartig an. Doch auch nicht fremd. Irgendwie als wäre ich schon immer ein Einzelgänger gewesen.

„Du wirst mir immer fehlen. Jeden Tag!Und es werden noch Millionen Momente kommen in denen ich um dich weinen werde.Aber du hast mir ein großes Erbe hinterlassen. Dein Erbe an mich.Durch diese Welt zu gehen und zurückzuschlagen. Am Boden zu liegen und wieder aufzustehen.
- Und das alles mit einem Lächeln im Gesicht.“

Wir sehen uns. Top.

10 Tage. Wow. Heute der Letzte. 10 Tage voller Fußball, Fortgehen, Vertrautheit, Spaß, die Mädls…
Was habe ich in diesen 10 Tagen gelacht…was habe ich geweint. Eine unglaublich schöne Zeit und wer hätte gedacht, dass jeder einzelne dieser Tage mich einen Schritt näher zu mir brachten und mit der Nacht auf Dienstag war es dann soweit: Ich bin keinen Zentimeter mehr weg von mir.
Nach so langer Zeit wieder zu spüren wer man ist, fühlt sich unglaublich an. Sehr heftig, weil man erkennt was man von sich selbst alles aufgegeben hat, aber unglaublich.

So erkennt man wieder dass das Leben ein einziger Weg ist an dem man sein Glücklichsein nie unter ein Anderes stellen darf.
Ich bin bei mir, und bei mir glücklich. Kein Zorn, keine Angst nicht ein letztes Bisschen Unsicherheit.
Ich wollte Gewissheit. Nun hab ich sie. Und diese Gewissheit macht mich glücklich. Manche Dinge muss man durchziehen, auch wenn man die ganze Zeit über um Luft ringt, gibt es nichts Schöneres als dann tief durchzuatmen.

Ich freue mich auf einen Sommer mit mir und bei mir. Und wünsche all den Lieben Leuten die ich verlasse ein Leben voller Wunder, voller Magie, voller Liebe.

“Und wenn du dann mal oben stehst auf diesem Berg und es schreist. Dann denk kurz an mich, denn ich glaub an dich. Ich weiß wer du bist und hier gibt es kein ‘trotz allem’ oder sonstiges. Ich möchte dass du weißt dass ich immer noch der Meinung bin, nicht hin hören zu müssen wenn andere etwas sagen, wovon sie keine Ahnung haben. Du wirst es können, nicht für mich, aber das tut in diesem Leben nichts zur Sache. Und ich weiß das.”

Wie kann das sein? Da trifft man ihn. Denjenigen welchen, der gemeinsam mit einer Handvoll anderen Leuten auf der persönlichen schwarzen Liste steht. Noch dazu ganz oben… schon längst damit abgeschlossen, schon längst weitergedreht. Man rechnet mit Allem, schließlich kennt man ihn ja, schon mal gehabt, schon durchschaut…

Jedoch mit was man nicht rechnet ist mit ihm zu reden und dabei das Gefühl zu haben noch nie zuvor mit ihm gesprochen zu haben.
Mit was man nicht rechnet ist ihn zu küssen und dabei das Gefühl zu bekommen ihn noch nie zuvor geküsst zu haben. Sich in diesen “ersten” Kuss so zu verlieren, dass man auf der Stelle alles vergisst.
Mit was man nicht rechnet ist ihn zu umarmen und sofort danach süchtig zu werden.

Ich kann mich wohl ganz offiziell als Junkie bezeichnen, der nur kurz nach dem Entzug nichts besseres zu tun hat als bei der ersten Gelegenheit wieder nach seiner Droge zu greifen und sich vorher auch noch einzubilden, dass man kein zweites Mal süchtig werden kann…

Für mich auf einmal ein wildfremder Mann. Den ich gerne kennen lernen würde, würde ich ihn nicht schon kennen. Und so frag ich mich wieder:”Ist das Leben wie ein Spielfilm, oder geht’s um irgendwas?”

Das ist er, der Mann den man schon hatte, der Mann mit dem es nicht gut ausging, der Mann der einem plötzlich auf eine wunderbare Art und Weise fremd erscheint. Real nachgedacht ist er eine Katastrophe. Real nachgedacht wäre es eine Idiotie sich nochmal auf ihn einzulassen. Real nachgedacht war unsere Beziehung wunderbar nur konnte er es nicht sehen. Blinde bleiben blind. Menschen die das Glück nicht sehen können, werden immer weiter danach suchen. Menschen die sich von der Sonne wegdrehen werden immer in ihrem Schatten stehen.

Und so frag ich mich: Ist eine zweite Chance eine Chance? Oder ist eine zweite Chance einfach dazu da dass zwei Leute, die wissen wie es ausgeht, noch mal voller Enthusiasmus in den Abgrund springen? Ändern sich Beziehungen beim zweiten mal? Wird auf einmal alles gut? Oder war das erste Ende einfach nicht dramatisch genug und es muss ein Neues Ende kreiert werden? Kann es überhaupt einen Neubeginn geben, wenn davor schon etwas da war?