Da stand ich nun mit meinen Jeans, Sneakers und einem Tank Top, inmitten dieser geleckten Kleidchen und Smokings Truppe, die sich ständig „YOU are SO beautiful“ zuriefen. Ich kam mir nicht nur so vor, ich war auch auf einem Gala Konzert, bzw. in der Garderobe der Sänger, aber was tat das schon zur Sache.
Es war unglaublich, Frau ist ja so einiges gewohnt an Schickimicki-stelldichein-schaumichan-Abende. Aber dieser übertraf alles bis dato Erlebte. Nebst gesponsertem Schmuck von Mont Blanc im Wert von einigen Millionen Euro (mir kam so vor als ob die Schmuck-Bodyguards ein besonderes Auge auf mich warfen, schließlich war ich ja die Einzige in Jeans, wer sollte hier sonst schon stehlen außer das Mädchen in den Jeans) und Kleider von Designern, die ich noch nicht mal richtig aussprechen kann war alles nur mehr „amazing“ „gorgeus“ und „absolutely beautiful“. Ich fand alles eher ein bisschen „disgusting“, doch wer fragt schon Aschenbrödel (so kam ich mir jedenfalls vor, ich wartete nur mehr so darauf, dass mir irgendwer mitleidig drei Nüsse zuwarf, wobei ich bei diesem Gedanken so lachen musste, dass dann wahrscheinlich jeder auch noch dachte, Aschenbrödel hat noch dazu nicht alle Tassen im Schrank).
Nicht zu vergessen: Jeder war auch „Dior, Channell und Loreal“ zugleich, ich fragte mich, wo all diese Leute hin verschwinden, die in die Maske gehen, denn raus gekommen sind nur mehr die aus der Modezeitschrift. (Weil ich es mir wert bin??)
Dann kam das große Drama: Eine Sängerin, knallrotes Kleid, kramt in ihrer Tasche und findet ihren Lippenstift nicht, der natürlich auch knallrot sein soll, nicht irgendein rot, sondern genau dieses eben. Verzweifelt griff sie zum Handy und schilderte das Problem und sagte schließlich genervt mit russischem Akzent „Schatz, es ist mir egal was, irgendetwas, nimm einfach irgendwas von mir aus auch was von Dior!“
Ich, das Hauseigenmarke-DM-Mädchen, konnte auch hierüber nur den Kopf schütteln und fragte mich, ob „Schatz“ denn auch wisse, was oder wer „Dior“ denn überhaupt ist, und wenn ja ob „Schatz“ dann auch die richtige Farbe mitbringt. Nun ja nicht mein Problem, sondern wohl eher das Problem von „Schatz“.
Resümierend gesehen war dies ein wunderbarer Einblick in eine Welt in der ich nicht leben möchte und froh bin in Meiner zu leben. In der ich (immer wenn ich möchte) in Jeans und Kaputzenpulli herumlaufen kann und zu „Schatz“ (sollte ich ihn auch mal finden, wo verdammt noch eins steckt der eigentlich?) irgendwann hoffentlich nicht allzu genervt sage:“Es ist mir egal was, irgendetwas, nimm einfach irgendwas um mir dieses Bier zu öffnen!“
- Im Gegenzug dafür muss er mir auch nicht vorher Tonnen von Dior aus dem Gesicht schmieren um mich küssen zu können.
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