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Mal ehrlich in gewissen Situationen die dunkle Seite zu unterdrücken
ist wie nein zu Schokolade zu sagen.
Man ist zwar kurz stolz auf sich,
aber nie vollends befriedigt.

Beinahe ein halbes Jahr ist vergangen als ich den Entschluss fasste zu gehen. Ich sagte damals nicht Auf  Wiedersehen, weil ein Auf Wiedersehen für uns schon längst keine Bedeutung mehr hatte, da es doch ständiger Bestandteil unserer Ära war. Nach zwei Jahren “Hide and Seek” hatte ich endlich keine Lust mehr. Verbittert und enttäuscht weil ich ihn so unterschätzt hatte. Unterschätzt, seine Angst, diese unglaubliche Angst vor so Vielem. Ich ließ ihn an meine Seite weil ich dachte er würde stark genug sein. Weil ich dachte er wäre genauso hungrig. Es ist nicht seine Schuld, eine Erkenntnis auf die ich lange warten musste.

Beinahe ein halbes Jahr ist nun vergangen bis Lady Zufall uns wieder begegnen ließ. Ein Teil von mir wird ihn immer lieben, weil wir doch ein Stück unserer Seele teilen. Weil die zwei Jahre trotz allem einzigartig waren. Weil es Momente gab in denen wir uns näher fühlten als wir es jemals für möglich gehalten hätten. Weil wir für eine Zeit lang unschlagbar waren.

Beinahe ein halbes Jahr ist vergangen. Ich sehe ihm in die Augen, erkenne die Angst und die Unsicherheit, die sich hinter seinem strahlendem Gesicht verbergen. Er spricht von den zwei Welten, von seiner und von meiner. Ich kenne diesen Satz nur zu gut, er ist sein grün blinkendes Exit Schild, das er sich sofort vor Augen halten kann, wenn er verunsichert ist. Es gibt keine zwei Welten, nur die Eine, doch ich wollte ihm diese Illusion nie nehmen, da sie mühsam erschaffen wurde um die Ängste erträglicher zu machen, wie sonst könnte er sie rechtfertigen? Manche Menschen verdienen einfach mehr als die Wahrheit. Darum sage ich nichts, unterbreche ihn nicht, seinen Monolog dem keine Frage voran ging. Nur im Stillen frage ich mich warum er sie immer noch in sich trägt, die Angst vor der Liebe zu mir.

Herr Nockstein erzählt traurige Geschichten. Der Weg mit wenig Ausblick durch den Wald. Irgendwie nicht schlecht, doch keinesfalls aufregend. Oben angekommen wird mit all den Kreuzen und Bildern subtil gemahnt “pass auf wo du hintrittst”. Unterm Gipfelkreuz das Foto eines jungen Mädchens mit den Jahreszahlen. “24 Jahre alt und schon sterben müssen” murmelt mir ein alter Herr entgegen. “mhm, schrecklich” entgegne ich ihm und meine Gedanken fangen an zu kreisen um mein 24 jähriges Mädchen welches auch sterben musste. Einfach so.

Das Wetter wird schlechter. Die Zeit knapper. Wer kann den Abschluss bilden? Den Abschluss der Idee einfach mal kurz ein paar Berge zu besuchen und ein freundliches “hallo, ja mich gibt es auch noch” loszuwerden. Die Antwort liegt inmitten der Stadt die ich liebe. Der Kapuzinerberg ließ meine kleine Reise mit viel Lachen und Augenzwinkern abklingen. Jeder Winkel flüstert von einem Geheimnis und die Bäume erzählen von all den Liebenden (obwohl hier anzumerken sei, dass ich gegen diese Konservierung von Namen bin). Und mit den aufkommenden Fragen wie viele Basteiwege es denn dort oben wirklich gibt, wie gemütlich so ein Fuchsbau denn wäre und ob der obdachlose Bergbesetzer mal schnell eben beim Schildermacher war und sich ein fettes “Basteiweg gesperrt” drucken ließ um in Ruhe bei seinem Lagerfeuer ein Buch lesen zu können, klingt auch dieser Tag mit einem zufriedenen Lächeln ab.

Vier wunderschöne Tage. Den Liebling gefunden. Ein paar Zweifel verloren. Ich danke meinen Mitreisenden und all den mehr oder weniger großen Riesen, (nicht von der Höhe aber auf alle Fälle vom Herzen) die einem unter ihren Bedingungen Welten eröffnen die schöner und weiter nicht sein könnten.

“Der Berg gehört Dir erst dann, wenn Du wieder unten bist, bis dahin gehörst du dem Berg.” (Kurt Diemberger)

Vorgestern fing es an, es war ein riesengroßes “Los raus hier” das mir aus dem Spiegel entgegen schrie. Wetter hin oder her, drauf gepfiffen. Haube auf und ab zum See, genauer gesagt zum lieben Fuschlsee einmal rundherum ein wunderbarer Spaziergang mit mir. Wasser hat was unglaublich beruhigendes und mit jedem Schritt und jedem Blick wurde es endlich stiller in mir, bis am Ende diese vollkommene Ruhe einkehrte, die ich mir seit langem wünsche.

Herr Schober schenkte mir gestern Grenzenlosigkeit. Wald, Felsen, klettern. Bis man dann unerwartet schnell und schwitzender weise oben steht. Ein Ausblick, der einem den Atem raubt. Freundliches Lächeln am Gipfel, ehrliches Lächeln, ein kurzer Flirt mit einem Jungen, doch ich hab nur Augen und Sinn für diesen Moment mit mir. Die Wangen rosig und kalt, es ist Herbst, am Schafberg liegt Schnee. Eis. So wie in mir? “Ich glaube es wird heuer nochmal schmelzen”, reißt mich der Junge aus meinen Gedanken. “Ja meinst du? – Ich weiß nicht.”

…und insgeheim hoffe ich dass er Recht behält,
meine Reise ist noch nicht zu Ende.