Mit 'Salzburger Festspiele' verschlagwortete Einträge

Das Spiel der Mächtigen

Ein Sommer wie immer. 7 Wochen lang Backstage. Brot und Spiele gegen Bares  für das Volk Millionen Touristen aus aller Welt. Salzburg im Ausnahmezustand und ich mitten drin. Eine unglaubliche Hass Liebe. Die Liebe zur Musik, der Geruch der Bühne, alles schon seit Jahrzehnten verankert. Doch diese Liebe rückt immer mehr in den Hintergrund. Vorallem wenn nach einem harten Arbeitstag tausende von Festspielgästen wie Kühe auf der Strasse stehen und keinen Zentimeter zur Seite weichen. Und ich kann sie nicht mehr ertragen, ihr Parfum nicht mehr riechen, ihre Kleider und Smokings nicht mehr sehen und die Art und Weise wie sie die Strassen mit  Arroganz und Oberflächlichkeit verpesten. Was nützt der Zauber der Musik eines Gioacchino Rossini wenn sie doch alle taub sind? Konditioniert auf das Klicken der Kameras der Photographen wandeln sie als herausgeputze Zombies durch die Stadt. Eine Woche noch und das Spiel der Mächtigen wird wie jede andere Inszenierung sein lang ersehntes Ende finden. Dann darf man endlich wieder aufwachen aus diesem Mittsommernachtsalbtraum.
Und wenn dann auch das letzte  in mint oder rosa gehüllte Etwas in die Limousine steigt  und abfährt wird mein Geliebter kommen, alles wegblasen und reinwaschen. Um sie danach im Stillen bunt anzumalen. Dann, wenn die Stadt wieder uns gehört.

the last day

Es ist soweit, heute der letzte Tag. Eine weitere Saison geht zu Ende. Alle Koffer sind schon gepackt. Meine noch nicht. Ich lebe ja hier. Wien muss für mich noch ein bisschen warten, bis ich dann zu Besuch komme. Nächstes Jahr wird alles anders. Sparmaßnahmen. Neue Verträge, weniger Geld. Viele machen das nicht mit. Verständlich. Ich bekomme nächstes Jahr mehr Geld, weil es bei mir noch möglich ist. Nicht aus Freundschaft. Sondern aus Angst. Bei vielen anderen ist es anders. Sie kommen nicht mehr. Viele Tränen. Die Stimmung gleicht dem Abreisetag eines misslungenen Ferienlagers. Es war wie immer wunderschön, und doch ist man froh manche Leute nicht mehr sehen zu müssen. Anders wiederum gehen wunderbare Menschen, die einem sehr nahe sind. Es war wie immer unglaublich mit Euch!

-Und darum wird heute nochmal ordentlich gerockt, bis dann mit den ersten Strahlen und der wohlverdienten Ruhe die Sonne aufgeht.

1. Akt – wärmende Kälte

Er ist schon komisch dieser zurückgekehrte Winter. Sobald man das Haus verlässt kriecht einem die Kälte unter die Haut.
Damals vor drei Jahren ebenso bei den Festspielen beschäftigt, ebenso ein winterlicher Sommer lernte ich Herrn B. kennen. (Damals, als die Welt noch in Ordnung war, kommt mir immer in den Sinn.)
Gestern ebenso frierend mit Kollegen noch ein After-work-chillout-Bier getrunken, um wieder runter zukommen vom lieben „Don Giovanni“ der meiner Meinung nach genial neu inszeniert wurde, doch wie alle guten Stücke mit Adrenalin und K(r)ämpfen hinter der Bühne verbunden ist.

So trifft man sich wieder nach drei Jahren, immer noch oder jedenfalls wieder frierend und eingepackt mit Schal und Kaputzenpulli. Wir müssen lachen.
-Leider diesmal andere Spielstätten. Doch alles hat seine Vorteile, denn Herr B. arbeitet bei „Luci mie traditrici“ der Ort ein anderer, eine Kirche und es soll unglaublich sein, was man auf dem Dachboden und in den Winkeln einer Kirche alles entdecken kann, wenn man sie denn auch erkunden darf aber gebrannt markt mit dem Ausweis den wir beide tragen ist immer alles möglich, auch bis nach ganz oben auf den Kirchturm zu steigen. So beschließen wir spontan nach drei Jahren mal wieder für ein paar Stunden gemeinsam zu frieren.

Auf einem Kirchturm.

Denn stark wie die Liebe ist der Tod

Bald ist es soweit und die Salzburger Festspiele fangen wieder an. Ja, die Schickimicki Zeit in der man nur Männer in fetten Ferraris und Frauen in teuren „ich seh aus wie ein Christbaum“ Kleidern sieht. Die Zeit in der Salzburg wieder mal besonders kräftig mit Mozart angeben kann, wo doch Mozart selbst sein ganzes Leben lang Salzburg gehasst hat.

Doch hier fließt das Geld und Frau S. arbeitet ja schon ewig für die lieben Festspiele und blickt man wie so oft hinter die Kulissen sieht alles anders aus: Freunde wieder treffen, arbeiten bis spät in die Nacht, feiern bis früh am Morgen. Ich liebe den Geruch des Hauses, den Sound wenn der Staatsopernchor (so arrogant die Frauen dort auch sind, die Männer machen das wieder gut) mal zeigt was er drauf hat, die Kostüme, all das drum herum, die Nervosität vor der Premiere, der Spaß bei den Proben, die ganzen Feste. Eine unbeschreiblich schöne Zeit, schon von Kind auf, als ich noch selber auf der Bühne stand und in die Augen all der vom Zauber berauschten Zuschauer blickte.
Doch heuer wird zum ersten mal etwas anders, denn Sie ist nicht mehr da. Diese unglaublich liebe starke Frau, die so stolz war dass ich ihre Enkelin bin, mich und all die Anderen ständig mit Kuchen versorgte und mit solcher Freude und Emotion auf der Bühne stand.

Jedes Jahr bin ich gespannt darauf unter welchem Thema die Festspiele stattfinden. Themen die mich berühren, die zumeist so treffend sind, wie letztes Jahr „Die Nachtseite der Vernunft“. Wie sehr ich diese Seite von mir kenne und auch liebe…

Sie ist dieses Jahr nicht mehr dabei. Zwar sehr wohl im Herzen und im Geist. Doch sie wird so sehr fehlen.

„Denn stark wie die Liebe ist der Tod.“